Ein Musikinstrument lernen mit über 50

Auch mit über 50 lässt sich ein Instrument lernen. Musikalische Vorkenntnisse oder besonderes Talent sind dafür nicht nötig. Wichtig ist, dass Ihnen das Instrument gefällt und Unterricht und Üben in Ihren Alltag passen.

Studien mit älteren Anfängerinnen und Anfängern zeigen, dass sich musikalische Fähigkeiten auch im späteren Erwachsenenalter entwickeln. Sie zeigen aber nicht, welches Instrument oder Lerntempo für alle passt. Entscheiden Sie nach Ihrem Musikgeschmack, Ihren praktischen Möglichkeiten und der Freude am Lernen.

Wählen Sie nach Ihrem Musikgeschmack

Es gibt keine Rangliste, die für alle zeigt, welche Instrumente am leichtesten zu lernen sind. Klavier und Keyboard wurden in Studien mit älteren Anfängerinnen und Anfängern genauer untersucht. Zu Klavier und Keyboard gibt es also mehr Forschung. Das heißt nicht, dass eines davon am besten zu Ihnen passt. Entscheidend ist, welche Musik Sie spielen möchten und wie gut das Instrument zu Ihrem Alltag passt.

Instrument Was für den Einstieg spricht Was Sie bedenken sollten
Klavier oder Keyboard Sie können einzelne Töne und Akkorde erkunden und Melodien spielen. Ein Keyboard mit Kopfhörern ist eine Möglichkeit, leiser zu üben. Prüfen Sie, ob Platz für das Instrument vorhanden ist und Ihnen das Spiel auf Tasten liegt.
Gitarre oder Ukulele Beide eignen sich, wenn Sie Lieder begleiten und dazu singen möchten. Lassen Sie sich zeigen, wie sich das Instrument in der Hand anfühlt und ob die Haltung für Sie bequem ist.
Gesang, Blas- oder Schlaginstrumente Diese Instrumente kommen infrage, wenn Sie besonders gern singen, mit Atem spielen oder Rhythmus gestalten. Testen Sie Klang, Lautstärke und körperliche Anforderungen vor dem Kauf.

Wenn Sie Gelenkbeschwerden, Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Sehen oder Hören haben, probieren Sie das Instrument in Ruhe aus und sprechen Sie mit einer Lehrkraft über passende Anpassungen. Bei gesundheitlichen Fragen holen Sie ärztlichen Rat ein. Eine Einschränkung allein legt nicht fest, welches Instrument für Sie geeignet ist.

Setzen Sie kleine Lernziele

Ein gutes erstes Ziel lässt sich hören oder beobachten. Sie können sich zum Beispiel vornehmen, ein kurzes Motiv gleichmäßig zu spielen, den Anfang eines Lieblingslieds zu lernen oder eine einfache Begleitung zu üben. Solche Zwischenziele zeigen Ihnen, was Sie schon können, auch wenn ein ganzes Stück noch zu schwierig ist.

Passen Sie die Ziele mit Ihrer Lehrkraft an Ihre Vorkenntnisse und Ihre verfügbare Übezeit an. In einer zwölfmonatigen Studie mit 68 älteren Anfängerinnen und Anfängern verbesserten sich bestimmte melodische Fähigkeiten, etwa das Erkennen und Nachspielen von Melodien. Bei den untersuchten Rhythmusaufgaben zeigte sich derselbe Fortschritt nicht. Die Fähigkeiten entwickeln sich also unterschiedlich schnell.

Vergleichen Sie Ihre Fortschritte mit Ihrem eigenen früheren Stand. Wenn Sie heute eine Stelle ruhiger oder sicherer spielen als vor einigen Wochen, ist das ein konkreter Schritt, auch wenn das Stück noch nicht fehlerfrei klingt.

Wenn das Üben stockt

Beim Üben wiederholen Sie Stellen, die noch nicht gelingen. Das kann sich langsam anfühlen, besonders wenn Sie sich ein ganzes Lied vorgenommen haben. In einer qualitativen Untersuchung zum Musikunterricht für Erwachsene berichteten Teilnehmende sowohl von Freude und Stolz als auch von Frust, wenn Fortschritte auf sich warten ließen. Daraus folgt nicht, dass alle Lernenden dieselben Erfahrungen machen. Es zeigt jedoch, dass ein schwieriger Abschnitt kein Beweis für mangelnde Begabung ist.

Teilen Sie eine knifflige Passage in kleinere Teile und spielen Sie sie zunächst in einem Tempo, bei dem Sie die Bewegungen kontrollieren können. Wenn Sie immer wieder an derselben Stelle hängen bleiben, bitten Sie die Lehrkraft, die Aufgabe zu vereinfachen oder anders zu erklären. Wählen Sie außerdem Musik, die Sie wirklich gern hören. Ein vertrautes Lied kann Ihnen einen Grund geben, auch dann weiterzuüben, wenn eine technische Übung wenig Freude macht.

Finden Sie passenden Unterricht

Suchen Sie eine Lehrkraft, die mit erwachsenen Anfängerinnen und Anfängern arbeitet und nach Ihren Zielen fragt. Sie sollten mitentscheiden können, welche Musik Sie lernen und wie viel Zeit Sie zwischen den Unterrichtsterminen zum Üben haben. Gute Rückmeldungen helfen Ihnen zu verstehen, was schon gelingt und woran Sie als Nächstes arbeiten.

Fragen Sie vorab, ob Sie eine Probestunde nehmen, das Instrument zunächst ausleihen oder ein Einstiegsangebot nutzen können. Klären Sie auch, ob Gruppen- oder Einzelunterricht besser zu Ihnen passt. Gruppen bieten Austausch mit anderen Lernenden; Einzelunterricht gibt mehr Raum für persönliche Fragen. Welche Form besser zu Ihnen passt, hängt von Ihren Bedürfnissen ab.

Machen Sie das Üben machbar

Eine regelmäßige Übezeit hilft, wenn sie zu Ihrem Alltag passt. Manche Menschen üben lieber zu einer festen Tageszeit, andere dann, wenn sie Ruhe und Zeit haben. Beginnen Sie mit einer Dauer, die Sie gut einhalten können, und passen Sie sie an, wenn sie sich als zu viel oder zu wenig erweist.

Beginnen Sie eine Übeeinheit mit einem vertrauten Stück oder einer bekannten Bewegung, arbeiten Sie danach an einer einzelnen schwierigen Stelle und spielen Sie zum Schluss etwas, das Ihnen Freude macht. Notieren Sie kurz, welche Stelle Sie beim nächsten Üben noch bearbeiten möchten, damit Sie nicht jedes Mal neu überlegen müssen, wo Sie anfangen.

In einer Klavierstudie mit gesunden Erwachsenen zwischen 62 und 78 Jahren umfasste das zwölfmonatige Programm wöchentlichen Unterricht und Übeaufgaben von ungefähr 30 Minuten täglich. Diese Vorgabe beschreibt die Bedingungen der Studie, nicht eine notwendige Mindestzeit für alle. Sie können auch mit kürzeren Übezeiten anfangen und gemeinsam mit Ihrer Lehrkraft prüfen, was für Ihre Ziele sinnvoll ist.

Was Studien zum Instrumentlernen zeigen

Eine randomisierte Studie mit 156 musikalisch unerfahrenen Erwachsenen zwischen 62 und 78 Jahren untersuchte ein Jahr Klavierunterricht. Die Klaviergruppe zeigte Verbesserungen in mehreren Bereichen der Lebensqualität, darunter in psychologischen, körperlichen und umweltbezogenen Bereichen. Bei der sozialen Lebensqualität fand die Studie keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Die Ergebnisse sagen nicht voraus, welche Wirkung einzelne Menschen erleben. Sie gelten auch nicht automatisch für alle Menschen über 50.

Auch Aussagen über das Gedächtnis oder die Vorbeugung von Krankheiten sollten Sie vorsichtig betrachten. Eine Meta-Analyse zu Instrumentalunterricht bei älteren Erwachsenen fand Verbesserungen bei einigen Denkaufgaben, konnte aber keine Effekte auf das Arbeitsgedächtnis oder das verbale Gedächtnis nachweisen. Freude am Klang, ein neues Können und regelmäßige Beschäftigung mit Musik sind Gründe, mit dem Musizieren anzufangen, unabhängig von solchen Messwerten.